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Archiv für den Monat Mai 2013

Ein Ausflug in den Norden und ein Sprung in die Nordsee

Nach langer Zeit habe ich endlich einmal wieder ein bisschen mehr getan als in der Bibliothek gesessen und an Essays geschrieben. Alle Essays sind inzwischen geschrieben, alle Vorträge gehalten worden und die Vorlesungszeit ist nun auch schon vorbei. In gut zwei Wochen stehen dann meine Prüfungen an und dann heißt es auch schon Goodbye Scotland, leider!

Das Ende der Vorlesungszeit habe ich mit Moni mit einem Tag in Aberdeen begrüßt. Am Montag sind wir frühmorgens mit dem Bus erst nach Dundee und von dort weiter nach Aberdeen gefahren. Das Wetter war den ganzen Tag über wunderschön, die strahlende Sonne wurde nur von ein paar kleinen Schauern verdeckt. Man ist eben doch in Schottland und der Regen gehört dazu. Die Stadt haben wir eher planlos abgelaufen und haben uns so die grauen Häuser angeschaut, in einem kleinen Park mittags gepicknickt und uns den industriellen Hafen angeschaut. Ansonsten waren wir auch in einigen Geschäften und haben den Tag zum shoppen genutzt. In einem kleinen Café mit dem Namen „Books and Beans“ haben wir uns zwischendurch erholt. Dieses Café war mit einem Second Hand Buchladen verbunden und so konnte man seinen Tee zwischen Bücherregalen genießen und fühlte sich wie in einer kleinen Bibliothek. Abends ging es dann durch die vom Sonnenuntergang in ein bezauberndes Licht getauchte Landschaft zurück nach St Andrews.

Heute in Morgengrauen stand dann eine weitere der vielen Traditionen hier in St Andrews an – May Dip. Bei Sonnenaufgang wird in die doch sehr kalte Nordsee (ca. 6°C) gerannt, um sich von seinen Sünden zu reinigen. Mit Sünden sind dabei Vergehen gemeint, wie z.B. das Treten auf den PH Stein, die Initialen vom Märtyrer Patrick Hamilton, der genau an dieser Stelle gestorben sein soll. Wer auf diesen Stein tritt, ist verflucht und soll durch alle Prüfungen fallen. Um dem zu entgehen kann man sich also am 1. Mai in der Nordsee von dem Fluch befreien. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Sünden, die mir aber nicht bekannt sind. Ob man nun an Flüche glaubt oder nicht, es ist auf jeden Fall die Erfahrung wert, den Sprung in die Nordsee zu wagen. Wir haben die Nacht mit einer Party im Club der Uni begonnen und dort bis ca. 1 Uhr zu den Tönen von Beatles und Co. getanzt. Danach haben wir uns in einem Wohnheim mit Essen, Musik und Klatsch und Tratsch bis zum Morgengrauen wach gehalten und sind dann zum Strand gegangen um in die Nordsee zu rennen. Ich muss zugeben, ich habe erwartet, dass das Wasser wesentlich kälter ist. Vermutlich hat der Alkohol aber auch über die Kälte hinweggetäuscht. Mehr als ein schnelles rein und wieder raus Rennen war aber trotzdem nicht drin. Besonders meine Füße haben unter der Kälte gelitten. Die vielen Lagerfeuer haben aber geholfen wieder warm zu werden und natürlich auch die heiße Dusche im Anschluss. So konnte ich mich wohlig warm um 6 Uhr morgens endlich in mein Bett kuscheln. Das deutsche Privatfernsehen hat sich scheinbar auch dafür interessiert. Hier der Beitrag von RTL zum May Dip.

Verbunden mit dem May Dip gibt es noch eine weitere Tradition „The Gaudie“, die am Abend vorher begangen wird, an der ich allerdings nicht teilgenommen habe. In Erinnerung an John Honey gibt es eine Prozession in den roten bzw. schwarzen Umhängen und mit Fackeln zum Pier. John Honey war Student an der Uni hier in St Andrews und soll am 3. Januar 1800 fünf Menschen von einem sinkenden Schiff gerettet haben. Das sinkende Schiff erblickend soll er von East Sands, dem Strand hier vor meiner Tür, fünf Mal zum Schiff geschwommen sein. Noch am selben Tag erlag er den Verletzungen, die er bei dieser Rettungsaktion erlitten hatte.

Damit stehen nun keine weiteren Traditionen mehr an, bis auf den May Ball am Sonntag. Doch diesen würde ich nicht wirklich zu den Traditionen zählen. Allerdings gehören Bälle hier einfach zum Studieren dazu und deshalb habe ich entschieden, dass ich auch diese Erfahrung mitnehmen möchte. Man ist ja schließlich nur einmal hier!

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